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Hartes Brot für Händler bei Amazon

| 1. September 2009 | Keine Kommentare

Kaltaquise
Ich betreue einen Verkaufsshop im Internet. Vor kurzem erhielt ich eine E-Mail, in der mir jemand von Amazon (einem bekannten Buchhändler, bei dem man heute weit mehr als nur Bücher kaufen kann)  anbot, doch als Händler bei Amazon zu verkaufen. Mein erster Gedanke war natürlich, dass es sich hierbei um eine Fake E-Mail handelt und deshalb sonderte ich die E-Mail erst einmal aus. Doch nach einer kleine Recherche der angegebenen Rufnummer, der Adresse und was ich sonst noch überprüfen konnte, war es sicher. Die E-Mail stammte wirklich von Amazon aus München.

Es hat mich schon immer interessiert, wieso Amazon Händlern erlaubt, über Ihre Seite etwas zu verkaufen, also lies ich mich auf die Kaltaquise ein und führte das Gespräch mit dem geschulten Verkaufspersonal.

Die Verkaufsphrasen wie

  • Ihr Shop ist uns besonders aufgefallen
  • wir machen nur einen ganz kleinen, ausgesuchten Kreis von Händlern dieses Angebot
  • wir wollen, dass Sie erfolgreich sind, nur so sind wir (Amazon) auch erfolgreich

möchte ich nicht weiter kommentieren. So etwas zeigt bei mir wohl nicht die gewünschte Wirkung.

Die harten Fakten waren dann allerdings schon etwas sehr hart.  Neben einer monatlichen Grundgebühr, würden dann nur noch xx % an Provision anfallen. (Anmerkung: Den genauen Prozentsatz möchte ich hier nicht nennen, sonst heißt es vielleicht, ich würde mit falschen Zahlen hantieren. Nur soviel, der Provisionssatz war zweistellig.) Wobei die Provision nicht von dem Gewinn gerechnet werden würde, sondern vom Gesamtbetrag der Bestellung.  Das kann ich insoweit nachvollziehen, dass man eine Berechnungsgröße braucht, die für beide Vertragsparteien klar definiert ist.

Da jedoch in dem besprochenen Shop die Verkaufspreise nur einem Gewinnaufschlag von ca. 10% beinhalten und in dem Marksegment in dem man sich bewegt, dies auch so tun muss, um wettbewerbsfähig zu sein, hat diese Information über die Konditionen natürlich das Telefongespräch ungemein verkürzt, da mehr an Provision an Amazon abzugeben, als an Gewinn zu verbuchen gewesen wäre.

Ich bewundere die Händler, die über Amazon verkaufen und damit unter dem Strich noch Gewinn machen. Vielleicht hat Ihr Verkaufssortiment eine bessere Gewinnmarge, vielleicht steht auch der Imagegewinn („Ich verkaufe über Amazon“) im Vordergrund.

Privatkundensicht
Als Privatkunde von Amazon kann ich bestätigen, dass Amazon sehr attraktive Preise hat, weswegen ich dort sehr gerne einkaufe. Der Versand der Artikel geschieht vorbildlich schnell, die Bestellabwicklung ist für den Kunden jederzeit nachvollziehbar und bei Reklamationen und in Garantiefällen kann man Amazon eigentlich nur als vorbildlich bezeichnen.

Händlersicht
Aus Händlersicht muss man die Verkaufsplattform wohl etwas differenzierter betrachten und genau kalkulieren.

Fall 1:  Seltener Artikel, Alleinstellungsmerkmal
Wenn man einen Artikel anbietet, der nicht Mainstream ist und dann auch noch möglichst nicht von Amazon angeboten wird, oder nicht mehr angeboten wird, dann ist die Welt für den Händler in Ordnung.

Fall 2:  Gängiger Artikel, bei Amazon z.Zt. nicht auf Lager
Bei einem gängigen Artikel aber, wird man neben einer Unzahl von weiteren Händlern gelistet. Die Händler werden zwar auch an Hand von Sternen bewertet, aber da Amazon schon aus eigenem Interesse die Händler mit schlechten Bewertungen aussortiert, dominiert hier vorrangig der Preis, um nicht von einem ruinösen Preiskrieg zu sprechen.

Fall 3: Gängiger Artikel, bei Amazon lieferbar
Amazon hat durch die versandkostenfreie Lieferung (ab einem Bestellwert von 20 EUR oder bei einer Verknüpfung mit einer Buchbestellung) einen Riesenvorteil. Preise bei Amazon sind keine Fixpreise, sondern ändern sich. Neben der Beobachtung der Preise am Markt, sollen auch viele andere Faktoren (hier gibt es eine nette Gerüchteküche) für ständige Preisschwankungen sorgen.
In der Regel unterbietet Amazon die Händler, aber für Amazon ist es auch kein Problem, wenn ein Händler einmal günstiger ist, schließlich ist es eine Verkaufsplattform.  Entweder verdient Amazon am Direktverkauf oder über die Provision. Im Grunde genommen, kann es dem Versandhändler gleichgültig sein, bei wem der Kunde kauft.  Amazon verdient in jedem Fall.

Ein – wie ich finde – interessantes Unternehmenskonzept.
Meine Bewunderung für Amazon.
Wirklich genial.

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Kategorie: Allgemein

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