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Virtual Server von Host Europe

Erfahrungsbericht zu virtuellen Servern

| 22. September 2009 | 5 Kommentare

Virtuelle Server stellen einen Kompromiß zwischen einer reinen Hostinglösung bei einem Provider und einem eigenen Server dar. Bei virtuellen Servern teilen sich mehrere Benutzer/Unternehmen einen Server. Dies ermöglicht zum einen die bessere Auslastung des gemeinsam genutzten Servers, kann aber auch je nach Anbieter und Mitbenutzern zu Problemen führen. In diesem Blogbeitrag werde ich über meine Erfahrungen mit drei großen deutschen Anbietern von virtuellen Serverpaketen berichten.

Inhaltsübersicht

Grundentscheidung für den Einsatz eines virtuellen Servers

Man hat im wesentlichen drei Möglichkeiten eine Internetpräsenz aktiv zu stellen:

1. ) Webhosting:

PRO sehr günstig
CONTRA kein Rootzugriff, keine eigene IP, Schnelligkeit ist vom Hoster abhängig , alle Resourcen mit fremden Domains geteilt, unflexibel (z.B. bzgl. Domain), und, und, und, …

 

Wie man bei meiner Auflistung/Kurzbewertung schon sieht, halte ich von einfachem Webhosting nicht viel.  Für einen statischen Internetauftritt und für die ersten, eigenen Schritte im Internet mag dies als Plattform genügen, aber man stößt schnell an die Grenzen des damit umsetzbaren.

2.) Dedicated Server:

PRO größtmögliche Freiheit
CONTRA Hoher Verwaltungsaufwand, hohe Kosten

 

Die optimale Lösung ist sicherlich immer ein eigener Server (Dedicated Server). Viele Anbieter bieten einem diese Server, fertig eingerichtet, mit allerlei Zusatzfeatures an. Die monatlichen Kosten sind relativ hoch (ab 60 EUR aufwärts, je nach Ausstattungsgrad), aber immer noch günstiger als sich selbst einen Server hinzustellen und eine Breitbandanbindung eines Telekommunikationsunternehmens hinzuzumieten, um genug Upload-Bandbreite für die Kunden zur Verfügung zu stellen. Ganz zu schweigen von der Sicherstellung und Überwachung der ständigen Verfügbarkeit (z.B. durch Hardwareausfall), wenn man den Server selbst betreiben würde .

3.) Virtuelle Server:

 

PRO eigene IP-Adresse, eigener ROOT-Zugriff, große Installationsfreiheit
CONTRA Server muss mit anderen geteilt werden, Resourcen werden vom Hoster zugewiesen


Eine kleine/mittlere Anwendung benötigt zwar bestimmte Grundvoraussetzungen, die man nicht bei den Hostingangeboten, sondern erst bei Servern vorfindet, aber allein lasten die wenigsten den Server richtig aus. Somit ist ein eigener Server für einen kleinen/mittleren Internetauftritt einerseits eine Notwendigkeit, auf der anderen Seite aber auch überdimensioniert und damit überteuert.

Die virtuellen Server füllen hier die Lücke zwischen diesen beiden zuerst genannten Installationsplattformen zu einem vertretbaren Preis.

Viele haben Vorbehalte bei der Nutzung von virtuellen Servern und diese sind nicht unberechtet. Neben der ganzen Freiheit (eigene IP, Root-Zugriff) trüben immer zwei Wolken den Sonnenschein.

  1. Man begibt sich in die Abhängigkeit von einem Hoster.
    Welche Ressourcen stellt mir der Hoster zur Verfügung? Kann die Zielanwendung im Rahmen dieser Resourcenbereitstellung installiert werden? Und außerdem, wieviel virtuelle Server werden vom ihm auf eine Maschine gepackt? Beschränkt sich der Hoster auf z.B. zehn virtuelle Serverinstanzen pro Maschine oder muß man sich den Server mit noch mehr anderen Instanzen teilen.
  2. Man begibt sich in die Abhängigkeit von den anderen VServer-Instanzen auf dem geteilten Server.
    Je nachdem wie aktiv und stark die anderen virtuellen Server genutzt werden (große Zugriffszahlen über das Netz, ständige Backups, viele Datenbankzugriffe, große Emailaktionen, schlechte Programmierung) sind die Antwortzeiten der eigenen Internetanwendung besser oder schlechter. So ist es nachvollziehbar, dass beim gleichen Anbieter von virtuellen Servern, die einen von ihrem sehr schnellen VServer berichten, andere jedoch mit den Zugriffszeiten zeitweise unzufrieden sind bzw. sogar generell über schlechte Antwortzeiten klagen.

Gerade bei virtuellen Servern gilt also, dass die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht nur allein die Papierform für die Wahl des Hosters wichtig ist, sondern hier durchaus Erfahrungsberichte in die Entscheidungsfindung einfließen sollten.

Erfahrungsbericht zu drei Anbietern von virtuellen Servern

Nachfolgend möchte ich meine Erfahrungen mit drei Anbietern teilen. Diese Erfahrungen sind naturgemäß subjektiv und spiegeln den Stand der Dinge zum augenblicklichen Datum (Sept. 2009) wieder. Durch die rasche Entwicklung auf dem Hardwaremarkt (insbesondere neuere, schnellere Prozessoren) und dem Wettbewerb unter den Anbietern, kann auch mein Erfahrungsbericht nur eine Momentaufnahme sein. Die Angebote und die Ausstattung der virtuellen Server kann sich ständig ändern (sowohl zum Guten als auch zum Schlechteren).

1&1 – Virtual Server XL
Von 1&1 bekommt man zunächst einmal alles, was man sich wünschen kann. Eine komfortable Verwaltung des virtuellen Servers mit Virtuozzo, die professionelle Administrationsoberfläche Plesk, ausreichend Speicherplatz, … und das alles zu einem günstigen Preis.

Das Virtual Serverpaket von 1&1 hat also alles, was einem als Features auf der Produktseite versprochen wird.
ABER, der Teufel steckt im Detail der Resourcenzuteilung und hierüber erfährt man nichts im Vorfeld.  So ist z.B. das Hard Limit für den Numproc-Parameter auf 128 eingestellt (also sagenhafte 1/10 so groß, wie ich es von HostEurope her kannte).  Der Numproc-Wert beschränkt die Anzahl der Prozesse und Kernel-level Threads, die pro virtuellen Server erlaubt sind.
Die unmittelbare Folge dieses vollkommen zu niedrig angesetzten Wertes: Selbst mit nur einer Internetpräsenz auf Basis einer JSP-Anwendung mit Tomcat, einer MySQL Datenbank, der Plesk-Adminoberfläche und E-Mail Verwaltung gerät der Server an seine Grenzen, gerät in die YELLOW-Zone der Ressourcenauslastung und teilweise sogar in die BLACK-Zone, so dass nichts mehr geht.

Das ist sicherlich der Worst-Case und vollkommen unakzeptabel, da man mit dem XL-Paket nicht das Grundpaket ausgewählt, sondern schon eine oder zwei Stufen höher gegriffen hatte.  Eine Nachfrage/Bitte an den Support, den numproc Parameter doch zu erhöhen, wurde lapidar damit beantwortet, doch in ein höheres Paket zu wechseln. Eine Aussage wieviel mehr ich in diesen Paketen erhalten würde, bekam ich allerdings nicht.  Wie man im Vergleich zu HostEurope sieht, geht es auch anders, so ist dort schon ab dem Grundpaket der numproc-Parameter ausreichend groß dimensioniert.

Strato V-PowerServer M
Bei Strato habe ich die Virtuozzo Oberfläche zur Serververwaltung vermißt. Die Backuperstellung ist zwar einerseits bequem, da Strato sie selbstständig vornimmt (tägliches Backup, bis zu 10 Tagen), aber die individuelle Anfertigung, das eigene Anstoßen/Anlegen von Backups wäre ein Anliegen von mir. Schließlich würde ich gerne auch monatliche Sicherungen anfertigen. Wenn sich der Fehler in den letzten zehn Tagen eingeschlichen und unbemerkt geblieben war, dann hat man zehn fehlerhafte, unbrauchbare Sicherungen. Könnte man selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt man eine Sicherung anfertigen möchte oder wenn man die erstellten Sicherungen herunterladen und selbst archivieren könnte, dann wäre das ein Fortschritt.
Die Hard Limit Parametereinstellungen sind zwar  nicht üppig, aber ausreichend.
Die Antwortzeiten sind normal, nicht berauschend, aber auch nicht langsam.

Host Europe – Virtual Server Linux XL 3.0
Nachdem ich mit HostEurope durchweg gute Erfahrungen gemacht habe, mußte ich dann doch Anfang des Jahres den Wehrmutstropfen im Angebot entdecken. Die virtuellen Serverpakete speicherten die Daten nicht auf ein Festplatten-RAID.

Konkreter Fall: Nachdem ein Server über eine Woche hinweg immer etwas langsamer wurde, führten der technische Support dies wohl auf Festplattenprobleme zurück und tauschte die Festplatten kurzerhand, ohne große Vorwarnung aus.  Wenn es ein Festplatten RAID-System mit gespiegelten Daten gegeben hätte, dann wäre dies kein Problem gewesen. Die fehlerhafte Festplatte entweder im laufenden Betrieb oder mit einer kurzen Downtime ausgetauscht und weiter gehts.  So aber, ohne RAID-System wurde die Festplatte ausgetauscht und es konnte nur das letzte, offiziell angefertigte Gesamtbackup zurückgespielt werden. Die Datenlücke für die Zeit bis zum letzten Gesamtbackup war sehr ärgerlich und Grund genug für mich zu anderen VServer-Anbietern zu wechseln (Stand Jan. 2009), wodurch meine Erfahrungen mit 1&1 und Strato zustandekamen.

Nachtrag: Nachdem ich zu Anfang des Jahres etwas enttäuscht HostEurope den Rücken gekehrt hatte, hat dieser Anbieter inzwischen kräftig nachgelegt. Der zur Verfügung gestellte Speicherplatz wird nunmehr im RAID-Verbund zur Verfügung gestellt.  Auf meine Anfrage, ob dies ein Software- oder ein Hardware-RAID wäre, bekam ich die Antwort, dass alle Systeme als Hardware-RAID betrieben werden.  Das hätte ich nicht erwartet, finde ich aber geradezu vorbildlich.  Zusätzlich kann man noch bei Bedarf und für kleines Geld zusätzlichen FTP-Speicherplatz für externe Datensicherungen anmieten, der Support ist recht schnell und freundlich. Die Vertragsverwaltung über die eigene KIS-Anwendung  ist komfortabel und läßt keine Wünsche offen.

Abschließende Bewertung:

1&1: Das Angebot von 1&1 könnte das Angebot der Wahl sein, wenn es einem 1&1 nicht durch die allzu knappen Parametereinstellungen fast unmöglich machen würde, darauf eine produktive Internetpräsenz zu installieren. Hier bestätigen sich für mich alle „Vorurteile“, die man so über virtuelle Server hört. Das müßte nicht so sein. Vielleicht findet bei 1&1 irgendwann noch ein Umdenkprozeß statt. Mehr Klasse als Masse wäre hier wünschenswert.

Strato: Auch etwas anspruchsvollere Systemumgebungen (mit Tomcat z.B.) lassen sich auf einem VServer von Strato betreiben.  Die Geschwindigkeit könnte etwas schneller sein und in Punkto Backup würde ich mir etwas mehr standardmäßige Individualität wünschen (siehe oben). Insgesamt aber bietet Strato mit seinem VPower Serverpaketen eine benutzbare Plattform für einen Internetauftritt.

Host Europe:  Unter den drei von mir betrachteten Anbietern von virtuellen Serverpaketen punktet HostEurope durchgehend. Der letzte mir wichtige Punkt bezüglich der Datensicherheit ist mit der Einrichtung des Hardware-RAIDs für die virtuellen Server erfüllt worden.

Empfehlung des Blogs perfect-knowhow.de: Host Europe
(Stand Sept. 2012).

Stichworte:

Kategorie: Server

Kommentare (5)

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  1. B.H. | 12. März 2013
  1. myHelp4you debay sagt:

    Habe ehrlich gesagt bisher nur vServer bei Hosteurope gemietet – aber das aus gutem Grund – es gab nie etwas zu beantstanden.

    Also stimme der Empfehlung zu!

  2. HostEurope: Hört sich hier gut an! Wir sind bei 1&1 mit einem VServer dabei … naja, da haben wir den Vorteil auch mal schnell Kaffee kochen zu können, während er versucht, diverse Websites zu laden. Mal sehen, wie wir aus dem Vertrag herauskommen.

    Vielen Dank auf jeden Fall für die Tests!

  3. Hallo,

    ich kann zu Strato sagen das ich dort ein Root Server habe, und der Soft-Raids leider nutzt.

    mfg
    Patrick

  4. Dennis sagt:

    Hallo, habe ein Vserver bei Stratog und kann es derzeit nicht empfehlen! Java Anwendungen oder ein Appserver (Tomcat/Jboss) bekommt man nicht mal zum Laufen…Liegt am (VM) Kernel 2.6.32… Hände weg!!!

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